Nach der gefühlt endlos langen Zeit der Kälte und permanenten Dunkelheit, dürfen wir uns nun über den März mit seinen ersten lauen Nächten und auf den bevorstehenden Frühling freuen. Die dicke Winterjacke wird zurück in den Schrank verbannt, die Frühblüher sprießen aus dem Boden und auch die allgemeine Flirtbereitschaft steigt wieder an. Unsere hochtechnisierte Kommunikationsgesellschaft ermöglicht uns heute, durch festgeschriebene Algorithmen in der Software von Chatrooms und Partnervermittlungswebsites, unsere „Traumpartner“ aufgelistet nach der Entfernung unseres Wohnortes abzurufen.

Warum sind wir dennoch bereit, das Wagnis eines Flirts in aller Öff entlichkeit, ohne schützenden Usernamen, einzugehen? Ein Flirt ist ein unvergleichlich prickelndes Spiel ohne feste Regeln, bei dem wir versuchen, in einer bisher unbekannten Person etwas zu entdecken, was uns außer ihrem Aussehen anzieht und Interesse in uns wecken könnte. Schnell stellen wir dabei fest, dass es sich bei einigen dieser heißen Jungs und Mädels ohnehin um nichts Dauerhaftes handeln wird. Andere Begegnungen wiederum schüren unsere Hoff nungen auf eine wundervolle Romanze, aber nur ganz wenige davon sind so atemberaubend fantastisch, dass wir uns schon ausmalen, wie man die gemeinsame Wohnung einrichten würde. Meist lassen wir uns auf den Flirtpartner ein, verabreden uns auf einen Kinobesuch oder zum gemeinsamen Kochen und erleben noch viele andere Erste Male miteinander. In dieser Zeit haben wir die Gelegenheit die inneren Werte unserer Eroberung zu erkunden und können nun abschätzen, ob wir wirklich schon die Planung der Küche für die gemeinsame Wohnung in Angriff nehmen sollten, oder ob dieser Wunsch doch ein wenig voreilig in uns aufstieg. Nüchtern betrachtet, sind die wenigsten neuen Bekanntschaften ein Grund dafür, sich mit den Preisen von Elektroherden und Gewürzregalen zu beschäftigen, denn leider entstehen aus den wenigsten Flirts tatsächlich dauerhafte Beziehungen. Doch nachdem sich all die Gefühle beim Kennenlernen des Flirtpartners so wunderbar und absolut richtig angefühlt haben, müssen wir uns doch fragen, woran es denn nun lag, dass es doch nicht geklappt hat. Es könnte doch wie bei einer schwierigen Rechenaufgabe sein, bei der unser Lösungsansatz richtig, das Ergebnis aber falsch ist. Erkennen wir den richtigen Partner nicht, wenn er oder sie uns auf der Straße begegnet? Wissen wir nicht, was für einen Partner wir eigentlich brauchen oder hat die computergestützte Partnersuche unsere irrationale Gefühlswelt schon so beeinfl usst, dass wir nur noch das glauben, was Elitepartner und Co. uns sagen? Ich denke unsere Vorgehensweise ist nicht falsch. Es gibt Rechenaufgaben, deren Ergebnis eine irrationale Zahl ist. Diese ist in Ihrer Gesamtheit ebenso wenig greifbar, wie unsere Gefühle es zuweilen sind. Um dennoch eine Lösung zu erhalten, grenzt man die Lösungsmenge so weit wie möglich ein, und erhält als Lösung einen Näherungswert. Damit will ich euch jetzt allerdings nicht animieren, alle Leute um euch herum schamlos anzubaggern. Vielmehr wäre es sinnvoll aus jeder Erfahrung die ihr macht, eine kleine Gedankenstütze mitzunehmen, für die Rechenwege, die noch vor euch liegen. Nach einer Weile des Rechnens sollte sich die richtige „Lösung“ doch fi nden lassen. Vielleicht sogar schon in diesem Frühling. Aber vergesst nicht, beim Rechnen mit Unbekannten macht man zur Sicherheit die Probe, rechnet also lieber safe.

 

Euer Robert

Die höhere Mathematik des Flirts – Gegeben, Gesucht, Lösung