Gegenpol: Anlässlich eures bevorstehenden Geburtstages - blickt ihr zufrieden auf diese 15 Jahre zurück, oder habt ihr euch eigentlich alles anders vorgestellt?
Stefan: Prinzipiell sind wir natürlich zufrieden, wenngleich wir es gern etwas leichter gehabt hätten in bestimmten Situationen und zu bestimmten Zeiten. Es gab teilweise wirklich Scheißjahre. Das klingt jetzt recht negativ, ist es aber nicht. Mir macht mein Job Spaß und ich werde natürlich weitermachen.

Gegenpol: Welche Ereignisse / Personen waren für dich und die Sauna besonders lustig oder auch besonders kritisch?
Stefan: Da ich diskret bin nenn ich jetzt mal keine Namen (grinsend), aber wirklich lustig und überraschend waren der katholische Kirchentag und der CDU Parteitag, denn ich hatte selten ein solch volles Haus. Besonders kritisch ist nach wie vor die Zerstörungswut einiger Gäste. Die macht auch in unserer Sauna keinen Halt. Es scheint wirklich so, als hätten diese Menschen den Respekt vor dem Eigentum anderer Leute verloren.

Gegenpol: Kannst du anhand eurer Besucher eine Veränderung in den Bedürfnissen und Einstellungen der schwulen Szene feststellen? Wenn ja, welche?
Stefan: Nun, es fällt uns schon seit einer ganzen Weile auf, dass unsere Gäste weniger untereinander kommunizieren. Besonders als Barpersonal kann man diesen Trend gut beobachten. Vielleicht ist dies aber auch ein allgemeingesellschaftliches Problem. Erfreulich sind jedoch zwei Entwicklungen der letzten Jahre. In den Köpfen unserer Gäste existieren keine bzw. kaum noch Unterschiede zwischen Ost und West. Wir sind jetzt also scheinbar wirklich zusammengewachsen. Das zweite ist die Einstellung gegenüber Bisexuellen und Lesben in unserer Sauna. Wiedererwartend ist die schwule Community sehr offen ihnen gegenüber eingestellt. Das lässt natürlich Platz für eventuelle künftige Entwicklungen.

Gegenpol: Fühlt ihr euch angesichts wachsender Konkurrenz für die Zukunft gewappnet, oder plant ihr Veränderungen?
Stefan: Eigentlich sehen wir keine direkte Konkurrenz in Mitteldeutschland und Berlin. Seit zwei Jahren modernisieren wir stetig die Technik im Hintergrund. Damit meine ich also Licht-, Pool-, Steuerungs- und Regeltechnik. Dann sind die 90-er auch aus unserem Haus verbannt. Trotzdem gestalten und modernisieren wir weiterhin. Besonders die Bereiche, die weniger frequentiert sind, erfordern unsere Kreativität.

Gegenpol: Wo siehst du dich und die Stargayte-Sauna in den kommenden 15 Jahren?
Stefan: Da fallen mir ein fester Wohnsitz auf den Malediven und der dazugehörige sechsstellige Kontostand ein. Nein, Spaß beiseite. Realistisch betrachtet freue ich mich darauf, das zu tun, was ich seit 1997 mit Leidenschaft tue. Wünschenswert wäre es, dass die Stargayte auch in 15 Jahren noch den gleichen Stellenwert, oder gar einen höheren, in der Szene besitzen wird. Ich denke, dass die Zukunft sicherlich auch die eine oder andere Kooperationsmöglichkeit hervorbringen wird. Aber das steht noch in den Sternen.

Interviewpartner Stefan Gehrke -
Geschäftsführer Stargayte Gruppe

Interview: Stargayte-Sauna Leipzig