Es ist Sonntagmorgen und wir sind in aller Frühe im schwül-heißen Bangkok mit einem nagelneuen Flieger der Air Asia mit Ziel Hanoi gestartet. An Bord des 174-sitzigen Flugzeuges: wenige Asiaten, mehr „Westler“ verschiedener Nationen, Franzosen, Australier, US-Amerikaner und wie sollte es anders sein, jede Menge Deutsche. Der Flug von Hauptstadt zu Hauptstadt dauert reichlich eine Stunde und schon ist man im Land von Onkel Ho, wie die Vietnamesen Ho Chi Minh liebevoll nennen. Hanoi ist an diesem Tag wolkenverhangen und ich bin froh, dass es so etwas wie ein Instrumentenlandesystem gibt, welches es den modernen Maschinen von heute ermöglicht auch bei sehr schlechter Sicht zu landen. Das Terminal war selbst dann noch nicht zu erkennen, als wir von der Landebahn rollten. Was für ein Empfang; Hanoi im strömenden Regen. Die Einreise verlief schnell und unkompliziert. Taschen und Koff er vom Band geschnappt und erst mal Ausschau nach einem Taxi gehalten.

Da sich viele Taxifahrer im Terminal nach Reisenden umschauen, war das auch kein Problem und dank zweier Mitreisender teilten wir uns die, eh schon geringen, Kosten für die Fahrt in die Altstadt. Ich erinnere mich noch an einen Motorradfahrer, der auf seinem Rücksitz mehrere, mit Wasser und bunten Fischen gefüllte, Beutel transportierte. Aber bei genauer Betrachtung war das nicht das Spektakulärste, was man so auf einem kleinen Motorroller transportieren konnte. Ganze Familien, Vater, Mutter und mindestens zwei Kinder mit dazugehörigem Gepäck fi nden dort Platz. Beeindruckend! Unsere Mitreisenden stiegen mit uns am Hotel aus und suchten sich erst einmal eine Unterkunft für die Nacht. Da unsere Reise doch sehr durchgeplant war, wir hatten schließlich nur 16 Tage im Land, hatten wir unser Hotel bereits in Deutschland gebucht. Ein Altstadthotel, Zimmer mit Fenster! Durch die schmale aber tiefe Bauweise sind nicht alle Zimmer in den Hotels mit Fenstern ausgestattet. Im Hotel selbst war zu jenem Moment nicht viel los und somit konnten sich die zwei jungen Hotelangestellten sehr intensiv um unsere Ankunft und einen sehr netten Small Talk kümmern, der sich, wie konnte es anders sein, um unsere Herkunft und natürlich den deutschen Fußball drehte. Meine Gedanken allerdings drehten sich die ganze Zeit darum, wie wir unsere Taschen ins Zimmer bekommen. Die Treppe war so schmal, dass dort gerade mal ein Mensch Platz fand und wenn man schwankte unten auf der Rezeption landete, da das Treppengeländer mir gerade mal bis zur Hüfte reichte. Es bahnte sich aber sehr schnell eine Lösung an. Der Rezeptionist packte unsere Taschen auf seine Schultern und rannte förmlich die Treppe nach oben. Schwer beeindruckt folgte ich ihm, immer an der Wand lang, nur um nicht einen falschen Schritt zu machen. Da es in Hanoi ja noch früh am Vormittag war, machten wir uns gleich auf die Socken um die Gegend zu erkunden. Das Erste an was man sich in Hanoi gewöhnen muss, ist der Straßenverkehr. Alle fahren wie sie wollen, aber irgendwie funktioniert es. Also, Blick immer in die Richtung aus welcher der Verkehr kommt und dann einfach gehen, gehen, gehen und nicht stehen bleiben, denn sonst knallt es. In der Straßenmitte schnell den Blick auf die andere Seite und wieder gehen, gehen, gehen. Schnell merkt man, dass die Motorradfahrer sich um einen herum schlängeln, wenn du Ihnen im Weg stehst. Die Altstadt von Hanoi ist voll von Straßenverkäufern, die alles anbieten was du als Tourist oder auch Einwohner so brauchst. Es ist schon irgendwie mystisch, wenn du durch die Straßen der Altstadt läufst und die Wurzeln von alten Bäume sich mit den schmalen Häusern vereinen und du immer vom Geräusch des Straßenverkehrs begleitet wirst. Man muss die Sinne erst einmal auf dieses Erlebnis einstellen. Das Wetter hatte sich an diesem Tag gebessert, kein Regen mehr und somit stand unserer Erkundung nichts im Wege. Durch das Französische Viertel, vorbei an der prächtigen Oper und immer wieder die Herausforderung eine Straße zu überqueren. Gegen Nachmittag haben wir uns dann einen Platz auf einem Terrassen- Restaurant gesucht, um einen fantastischen Blick auf einen Platz zu haben, wo fünf Straßen aufeinander treff en. Es ist ein großartiges Schauspiel wie Busse, Autos, Fahrräder und Motorroller ihren Weg über diesen Platz fi nden und dazwischen Vietnamesen in gewohnter Ruhe und Touristen weniger ruhig, einen Weg von einer zur anderen Straßenseite fi nden. Nach einem weiteren Tag Hanoi mit Besichtigungen aller wichtigen Sehenswürdigkeiten haben wir noch einen Ausfl ug in die „trockene“ Halong-Bucht gemacht. Da sich für diesen Ausfl ug nicht genug Reisende fanden, hatten wir einen Fahrer und eine Reiseleiterin für uns allein und konnten den Tag trotz des schlechten Wetters richtig genießen. Es war eine „Rundumbetreuung“ begleitet von einer Vielzahl von Einblicken in die wirkliche Welt der Vietnamesen. Am Tag unserer Abreise hat es in Hanoi in Strömen geregnet und so waren wir froh in wenigen Stunden am Strand in Zentralvietnam, in Danang bzw. Hoi An anzukommen. Doch über Strand, Hoi An, einer Radtour zu den Marmorbergen und der Bekanntschaft mit einer Standverkäuferin werde ich in der nächsten Ausgabe schreiben.

Fortsetzung folgt ...

Reisebericht: Vietnam - Teil 1