|
Gegenpol Nr. 33 / November '98
CATWALK '98Sieben uniforme Gestalten in Papieranzügen stehen regungslos im Halbdunkel der Bühne. Junge TänzerInnen umschwirren sie und hauchen Leben ein. Zuerst reißt sich ein kerniger Kommandant die Verpackung vom Leibe und marschiert in schwarzen Lack gehüllt stolz über den Laufsteg. Als nächstes symbolisieren die Tänzer die rauschenden Wellen des Meeres. Ein muskulöser Matrose entspringt ihnen und läßt sich von den Wogen des begeisterten Publikums bis in die Brandung der Bühne tragen. Sein knappes, gestreiftes Oberteil, das lediglich Arme und Schultern bedeckt, sowie die weiße Plastikhose, deren Rückseite so einige Einsichten gewährt, treibt so manches Segel auf Hochmast... Dann ertönen Totenglocken. Alle Papieranzüge sind nun gefallen. Der letzte Gang gehört dem, der sonst selbst Vollstrecker ist. Mit einer schwarzen Gesichtsmaske aus Lack, die nahtlos ins bauchfreie Oberteil übergreift, und einem dunklen Synthetikrock bekleidet, schreitet der Henker durch die kreischende Menge. Hm, lecker! Und auch ich flehe insgeheim: "Laß mich heut nacht Dein Opfer sein".
Szenen und Attraktionen von Catwalk '98, Dresdens erstem Modespektakel, das am 17. Oktober
Den Enthusiasmus teilt er übrigens mit Miriam Kusserow, Chefin des Broadway Dance Centers Dresden, auch wenn sich deren Leidenschaft voll und ganz auf Gesang und Tanz bezieht. "Sämtliche Choreographien zum Catwalk stammen von mir", schmunzelt Miriam in ihrem hinreißenden, südfranzösischen Akzent. Doch nicht nur hinter der Bühne überzeugte die temperamentvolle, ja fast hyperaktive Künstlerin an diesem Abend: Miriam interpretierte live Songs von Edith Piaf und Mariah Carey und avancierte so zur heimlichen Königin der Modenacht. Übrigens freue sie sich bereits auf den Catwalk '99. Im Vorbeihuschen ruft sie mir noch zu "Isch 'abe so viele fandasdische Ideen!" und schwubs - ist sie in der Menge verschwunden. Sirko Salka
|