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Gegenpol Nr. 34 / Dezember '98 Ma Vie En RoseManchmal ist es nicht leicht, ein Mädchen zu sein
Ludovic ist ein Junge. Wenigstens, wenn es nach den Vorstellungen seiner Mitmenschen ginge, denn der Kleine ist sich ganz sicher, ein Mädchen zu sein. Das demonstriert er dann auch überaus deutlich, indem er bereits zur Einweihungsparty der neuen elterlichen Wohnung im rosa Kleid, mit Lippenstift und süßen Ohrringen aus seinem Zimmer die Stufen hinabschreitet... Eingezogen ist Familie Fabre in eins der schnuckligen Häuser eines anständigen Pariser Vororts, scheinbar fernab jeglicher Schlechtigkeit. Mama, Papa, vier Kinder und lauter nette Nachbarn. Nur der siebenjährige Ludovic scheint nicht so recht in diese kleine Welt zu passen. Wie auch, mit Seidenkleid, Schleier und einem Blumenkranz auf dem Kopf? So baut sich der Sprößling - ganz sicher, nicht in die ihm zugedachte Rolle hineinzuwachsen - sein eigenes Traumgeflecht aus Phantasien und einer kitschigen Fernsehserie. Dort lebt er den Beginn dessen, was von seiner Umwelt vorerst belächelt, und leidlich als kindliche Identitätssuche abgetan wird: "Ich bin jetzt ein Junge, aber einmal werde ich ein Mädchen sein."
Doch nach und nach stürzt er mit seiner für den Zuschauer rührend naiven Selbstsicherheit vor allem
Warum soll er auch anders sein? Ein Mädchen ist doch nicht "anders". Und während er beharrlich daran festhält, ein solches zu sein, nähert sich rings um ihn das Chaos der Ratlosigkeit, Heuchelei und Verletzungen seinem Höhepunkt.
Trotz allem bleibt der Film eine bittersüße Tragikomödie der leisen Töne und voller Poesie, ein
wunderschöner Appell an das Verstehen und Lieben des Wortes "anders". Es ist die Suche des
kleinen Ludovic nach seinem ganz eigenen Platz in dieser Welt. Noch völlig unbeeindruckt von sozialen
Regeln und der "Normalität" ist für ihn nichts endgültig und verbindlich, Traum und Realität
Erik
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