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Gegenpol Nr. 38 - April '99

Eine schrecklich nette Familie

"Sitcom" - schwarzer Humor aus Frankreich

Der französische Humor hat einen ähnlich schlechten Ruf wie der deutsche. Und während der deutsche immerhin noch als uninteressant und bieder gelten kann, ist der französische oftmals ärgerlich und homophob. Sitcom Gelegentlich gibt es Ausnahmen wie "Gazon maudit" und jetzt "Sitcom".

Geschmacklos ist auch dieser Film, aber auf unerwartet sympathische Weise. Regisseur François Ozon hat ihn als Parodie auf Pier Paolo Pasolinis "Teorema" angelegt, in dem ein mysteriöser, schöner Fremder eine gutbürgerliche Familie aus dem Gleichgewicht wirft. Bei Ozon ist es eine Ratte, die der Herr des Hauses eines Tages mitbringt. Plötzlich spielen alle verrückt. Der Sohn Nicolas (Adrien de Van) eröffnet der Familie, daß er schwul sei, und der afrikanische Freund des Hausmädchens, der Nicolas auf den rechten Weg zurückbringen soll, wird sein erster Liebhaber.

Der Junge gibt sich immer extrovertierter, trägt ein rosa T-Shirt zur schwarzen Lederhose und bestellt junge Männer zu sich, die halbnackt durchs Haus laufen und die letzten Gurken aus dem Kühlschrank holen.

Sitcom Die Tochter Sophie läßt sich von der Ratte befriedigen, während die Mutter über ihren Sohn herfällt. Darüber regt sich niemand auf: "Und wie war's mit Mama?" fragt Sophie ganz beiläufig ihren Bruder.

Als Augenweide für die schwulen Zuschauer ist Stéphane Rideau aus André Téchinés "Wilde Herzen" Stéphane Rideau dabei. Er spielt David, den Freund von Sophie, der sich von ihren zunehmend bizarren Bedürfnissen überfordert fühlt und sich dem Dienstmädchen zuwendet. Wie er sich zwischen ihren Brüsten befriedigt, dürfte so manchem Zuschauer den Atem rauben.

Wahrscheinlich wird man den Film in zwanzig Jahren harmlos finden, aber im Augenblick ist er wohltuend frech. Sitcom - Die Komödie jenseits aller Tabus startet am 25. März bundesweit in den deutschen Kinos. Die genauen Starttermine für Sachsen standen bei Redaktionsschluß noch nicht fest. (Anmerkung vom Webmaster: Die Termine für die Dresdner Kinos stehen im Terminkalender.)

Frank Noack

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Letzte Änderung: 21.06.2003