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Gegenpol Nr. 38 - April '99

Schatz:

Ich habe wieder mal nichts zum Anziehen!

Jeden Morgen tauchen wir in den Moloch Kleiderschrank um herauszufinden, was unsere Umwelt wohl heute am meisten schocken könnte. In den diesjährigen Frühjahrs- und Sommertagen geben Designeroutfits den Ton an. Die sind höllisch teuer. Deshalb denken Sie immer daran, wenn Sie schon mal beim Bezahlen sind, dann richtig, schließlich soll es ja bis zum Herbst gut aussehen.

Im Büro

trägt man schlichtes Grau, Schwarz oder Nachtblau. Vermeiden Sie unbedingt, dazu weiße Socken und Slipper mit Flechtmuster zu tragen. Man käme sonst schnell auf den Gedanken "Oben hui und unten pfui". Das dazu passende Hemd ist entweder weiß oder in kräftigen Farben gehalten. Vergessen Sie alle Pastelltöne. Die sind tödlich und von gestern. Krawatten können Sie sich schenken lassen (passiert sowieso, oder haben Sie keine Mutter?) Befindet sich in der Brusttasche ihrer Anzugjacke ein Tuch, sollte dieses zumindest ansatzweise das Muster der Krawatte wiedergeben.

In der Freizeit

ist erlaubt, was gefällt. Natürlich nur solange, wie Sie diese im Kreise ihrer Lieben verbringen und nicht damit auf offiziellen Anlässen erscheinen müssen. Tragen Sie ruhig kräftige Farben in den unterschiedlichsten Mischungen, aber nie rot und blau oder grün und blau, das ist immer noch zu witzig! Jeans werden wieder tiefblau oder weiß. Selbsgebatikte Hosen sind out und bleiben es auch im Frühjahr. Wenn's so richtig heiß wird, kann es so richtig kurz werden. Oben wie auch unten. Tragen Sie auch hier immer das passende Schuhwerk zum Outfit. Sandalen aus dem Sportgeschäft ( NIKE ab 149,- DM oder CATERPILLAR ab 129,- DM ) sind der letzte Schrei. Im übrigen sollte es immer sehr sportlich zugehen. Schon lange ist die Sportmode nicht mehr dem Sportplatz vorbehalten. Eine Bitte hätte die Menschheit aber noch: Keine weißen Socken! Lassen sie diese lieber ganz weg, das ist gesünder und auch dem winterlichen Schweißfuß zuträglicher!

Bei der Party und bei Gästen

sollte eine Mischung aus klassisch und munter gefunden werden. Dabei ist es wichtig zu beeindrucken und nicht zu schockieren. Hauchdünne Pullover, die hauteng anliegen, sind schwer im Kommen. Auch der Armylook ist salonfähig geworden. Aber nicht im üblichen Kaki oder Flecktarn, sondern in den Farben Blau, Dunkelgrün und Schwarz oder dunkles Violett. Auch Weiß und Gelb sind erlaubt. Und Army heißt hier nur der Schnitt. Im Sommer dürfen sogar Männer das gewagte Rot tragen. Und zwar das ganz gewagte. Denken Sie aber auch hier immer an die passenden Hemden.

Bei allen Bekleidungsvariationen sollten Sie nie Ihr Alter vergessen. Streetwear und Sportswear hat, und das ist nicht eine Behauptung von uns, sondern liegt in der Natur der Sache, ein bestimmtes Verfallsdatum. Wenn Sie sich nicht sicher sind, tragen Sie lieber klassisch und versuchen Sie nicht, die letzten 30 Jahre Ihres Lebens zu vertuschen. Ihr Gesicht verrät es sowieso.

dh

Letzte Änderung: 21.06.2003