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Gegenpol Nr. 43 - September '99 SZENE InterviewIn unserer Reihe "Szene-Interviews" haben wir die Dresdner AIDS-Hilfe in Ihren alten Räumlichkeiten in der Florian-Geyer-Straße 13 besucht.
Von den Umzugsplänen der AIDS-Hilfe konntet ihr in dem Bericht auf
Wir freuen uns sehr darüber, daß wir unseren Umzug, zumindest mit dem Infoladen, in die Neustadt schon geschafft haben.
Weiterhin ist der Internetauftritt der AIDS-Hilfe Dresden im Netz komplett unter
Gibt es neue Forschungsergebnisse zur verbesserten Bekämpfung der Immunschwächekrankheit AIDS? Seit geraumer Zeit beschäftigen wir uns mit der HIV-PEP, der sogenannten Post-Expositions-Prophylaxe. Es handelt sich hierbei um die Möglichkeit, eine HIV-Infektion mit dem HI-Virus zu vermeiden, wenn sofort nach dem Risikokontakt mit einer medikamentösen Therapie begonnen wird. Ursprünglich kommt die HIV-PEP aus dem medizinischen Bereich. Dort kann es zu Arbeitsunfällen kommen, wenn sich Mitarbeiter der Kliniken bei Blutabnahmen oder Blutuntersuchungen mit einer kontaminierten Injektionsnadel stechen. Was können die Ärzte oder Schwestern in einem solchen Fall tun? Die HIV-PEP wird sofort begonnen und über die folgenden vier Wochen durchgeführt. Dabei werden die gleichen Präparate verwendet, die Menschen mit einer HIV-Infektion bekommen. Es ist im Prinzip eine extrem früh begonnene Therapie. Ist die HIV-PEP Behandlung im beruflichen Bereich überall abgesichert? Die Krankenhäuser als Arbeitgeber sind verpflichtet, ihre Mitarbeiter über HIV-PEP und den Ablauf der Behandlung zu informieren, wenn ein Kontakt zu HIV-Patienten besteht. Die Kosten werden über die betriebliche Unfallversicherung abgewickelt. Muß tatsächlich sofort nach dem Risikokontakt die HIV-PEP-Therapie begonnen werden? Gibt es vielleicht doch noch einen gewissen Zeitrahmen, in der diese Entscheidung getroffen werden kann? In den ersten zwei Stunden nach einer eventuellen Infektion versuchen die Viren im Körper an andere Zellen anzudocken. Während dieser Zeit hat die HIV-PEP die größten Erfolgschancen. Sobald nach einer Zeit von ungefähr zwei Stunden die ersten Viren in das Gewebe eingedrungen sind, um sich zu reproduzieren, sinkt die Aussicht auf eine vollständige Vernichtung der Viren immens. Wird die HIV-PEP zu spät eingeleitet, kann sie zwar noch die Virusvermehrung blockieren, aber den Virus nicht mehr aus dem Körper herausdrängen. Das wäre dann ähnlich wie bei der Behandlung von Menschen, die seit längerer Zeit mit HIV infiziert sind. Im beruflichen Umfeld ist also alles für den möglichen Ernstfall vorbereitet. Was ist aber im privaten Bereich? Wie schnell können sich Paare, bei denen ein Partner HIV-positiv und der andere HIV-negativ ist und der seltene Fall des geplatzten Kondoms beim Geschlechtsverkehr eintritt, helfen? Prinzipiell muß die HIV-PEP durch einen Arzt verordnet werden. Das bedeutet, daß dem Arzt die Gefahrensituation geschildert werden muß. Wenn feststeht, daß ein Partner HIV-positiv ist und die Zeit noch reicht, die HIV-PEP Therapie für den anderen einzuleiten, wird er es tun. Geht aber jemand zum Arzt und sagt, daß er eine Gefahrensituation hatte, weil er zum Beispiel mit einem unbekannten Mann Sex hatte und dabei über die Schleimhäute mit dessen Sperma in Kontakte geriet, wird der Arzt keine HIV-PEP verordnen können, da aus der Beschreibung nicht hervorgeht, ob es sich bei dem Unbekannten tatsächlich um einen HIV-Positiven Menschen handelt. Neben der kritischen Startphase der HIV-PEP sind vor allem die Nebenwirkungen dieser Chemotherapie zu betrachten. Die Medikamente, die bei der HIV-PEP über einen Zeitraum von vier Wochen eingenommen werden müssen, können den Körper extrem schwächen und weitere Nebenwirkungen verursachen. Es muß in dieser Zeit nach einem sehr strengen Therapie-Plan gelebt werden, wobei pro Tag bis zu 18 Tabletten eingenommen werden. Man muß davon ausgehen, daß die betroffene Person in den vier Behandlungswochen arbeitsunfähig ist. Welche Erfahrungen liegen bisher mit der HIV-PEP vor? In Paris, Köln und München sind Studien zur HIV-PEP gelaufen. Von den in Paris behandelten Personen hatte nach vier Wochen keine eine HIV-Infektion. Aus anderen Berichten weiß man aber, daß es trotz HIV-PEP vereinzelt zu HIV-Infektionen gekommen ist. Sicher ist auf jeden Fall, daß eine rechtzeitig begonnene HIV-PEP das Infektionsrisiko deutlich absenkt. Wie häufig wurde HIV-PEP von Privatpersonen nachgefragt? Weitaus weniger, als anfangs befürchtet. In Paris wurde über HIV-PEP durch Mund-zu-Mund-Propaganda informiert und in Köln über ein speziell entwickeltes Info-Pack, das wir auch in Sachsen einsetzen werden. Die Anfragen pegelten sich zum Beispiel in Paris auf 13 pro Monat ein.
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