|
|
Gegenpol Ausgabe April 2004
Elephant
Der neue Film von Gus Van Sant
Gus Van Sant, der schwule Kultregisseur, ist mit diesem Film zu
seinen unabhängigen Wurzeln zurückgekehrt, die er mit Mainstreamfilmen
wie "Good Will Hunting" und "Finding Forrester"
zwischenzeitlich verlassen hatte.
Er schildert darin ein fiktives Highschoolmassaker, das offensichtlich
von realen Begebenheiten inspiriert wurde. In der ersten Hälfte
des Films werden die unterschiedlichen Figuren bei alltäglichen
Beschäftigungen eingeführt, die belanglos erscheinen, aber letztendlich
nur den Nährboden für das Kommende liefern. Die Handkamera
pickt sich die Teenager heraus und folgt ihnen wie ein
unentdeckt bleiben wollender Beobachter. In diesen Szenen sehen
wir mehr vom jeweiligen Umfeld der Figur als von dieser selbst.
Da Van Sant aber immer wieder die Bezugsperson und somit die
Perspektive wechselt, ergibt sich nach einiger Zeit ein stimmiges
Gesamtbild.
Vorwürfe von Homosexuellenverbänden, "Elephant" hätte homophobe
Tendenzen, weil sich die beiden männlichen Täter vor dem
Massaker nackt unter der Dusche küssen, sind unberechtigt, weil
Van Sant mit dieser Szene vielmehr die fehlende Nähe und Zuneigung
innerhalb unserer Gesellschaft aufzeigen will und keinesfalls
den schwarzen Peter einer Minderheit zuschiebt. Der Regisseur
vermeidet es, eindeutig Stellung zu beziehen und zeigt uns auf provokative
Weise gleich mehrere Erklärungsmöglichkeiten auf, die in
ihrer Divergenz genau das erreichen, was Van Sant beabsichtigte:
sie polarisieren und rütteln wach.
Frank Brenner
Elephant
Drama
USA 2003, 81 Min.
mit: Alex Frost, Eric Deulen, John Robinson, u.a.
Regie: Gus Van Sant
Kinostart: 8. April
|
|