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Gegenpol Ausgabe September 2004

Ronald Lässig kämpft um Landtagsmandat

Offen schwuler SPD-Kandidat will Mentalitätswechsel in der Politik

In Sachsen stehen am 19. September die Landtagswahlen auf dem politischen Kalender. Bei der derzeitigen schwierigen wirtschaftlichen Lage im Land und in den Städten, werden schwul-lesbische Themen bei der Wahlentscheidung der Sachsen sicher nicht im Vordergrund stehen. Denn auch viele Lesben und Schwule sind von sozialen Problemen, zum Beispiel von Arbeitslosigkeit betroffen.

Wichtig ist vor allem aber, überhaupt zur Wahl zu gehen; die einzige Möglichkeit, am politischen Prozeß teilzunehmen. Aus Protest nicht zur Wahl zu gehen, bedeutet in erster Linie Auftrieb für extremistische oder rechte Gruppierungen, die sich im weiteren kaum für homosexuelle Gleichstellung einsetzen werden.

Im Vorfeld der Wahl sprachen wir mit dem einzigen schwulen Kandidaten für die Landtagswahl, Ronald Lässig, unter anderem über das nötige Umdenken in der Politik und über homosexuelle Politikansätze.

Ronald Lässig GEGENPOL: Als einziger offen Schwuler bewirbst Du Dich bei der sächsischen Landtagswahl am 19.9. um das Direktmandat im Leipziger Süden. Warum?

RONALD LÄSSIG: Zu oft wurde von allen Parteien viel versprochen und wenig gehalten.

Das ärgert viele Menschen, auch mich. Die Abgeordneten müßten eigentlich Dienstleister für den Bürger sein.

Mein Motto: zuverLÄSSIG für Leipzig. Für mich zählt die Wählerstimme auch nach der Wahl!

Ich setze mich für einen Mentalitätswechsel in der Politik ein.

GEGENPOL: Wie soll dieser Mentalitätswechsel aussehen?

RONALD LÄSSIG: Sozial Schwache müssen gestärkt, die Abgeordnetenversorgung sollte reduziert werden.

Es ist ungerecht, daß sich Volksvertreter in Zeiten knapper Kassen üppige Diätenerhöhungen genehmigen. Darüber sollten künftig nicht die Abgeordneten selbst entscheiden, sondern eine unabhängige Kommission.

Ich verpflichte mich, im Fall meiner Wahl, monatlich 2.000 Euro meiner Diäten in einen Sozialfonds im Wahlkreis zu spenden, den ich für Bedürftige ins Leben rufen werde.

GEGENPOL: Du arbeitest als Journalist für die ARD. Man kennt Dich als Nachrichtenmoderator im MDR-Fernsehen. Was hältst Du von der geplanten Erhöhung der Rundfunkgebühr ab 2005?

RONALD LÄSSIG: ARD und ZDF haben ihr Angebot seit 1992 verdreifacht. In Zeiten knapper Kassen beim Bürger müssen aber Reformen bei ARD und ZDF Vorrang haben vor weiterer Erhöhung der Rundfunkgebühr.

Der MDR ist größter Arbeitgeber in meinem Wahlkreis. Ich kämpfe dafür, den Sender zukunftsfähig zu gestalten. So müssen die Regionalprogramme ausgebaut und Qualitätsstandards festgeschrieben werden. Jugendliche schalten den MDR kaum ein. Sendungen für 14-30jährige müssen also her.

GEGENPOL: Gehört dazu auch ein schwul-lesbisches Monatsmagazin im MDR oder der ARD?

RONALD LÄSSIG: Das wäre begrüßenswert. Doch die Programmhoheit liegt nicht bei der Politik, sondern beim MDR-Intendanten. Jedoch kann nicht oft genug angemahnt werden, daß öffentlich-rechtlicher Rundfunk auch den Verfassungsauftrag hat, Programme für Minderheiten anzubieten. Diese Angebote jedoch gibt es im MDR kaum.

GEGENPOL: Was willst Du als erster offen schwuler Landtagsabgeordneter in Sachsen für die Community erreichen?

Klaus Wowereit und Ronald Lässig RONALD LÄSSIG: Das Lebenspartnerschaftsgesetz wird seit Jahren durch die CDU blockiert. Hierzulande dürfen Schwule und Lesben ihre Lebenspartnerschaft noch immer nicht auf dem Standesamt besiegeln. Mit dieser Ausgrenzung muß auch in Sachsen Schluß gemacht werden. Auf Bundesebene wird die SPD noch in diesem Jahr die steuerliche Gleichstellung von Lebenspartnerschaften und Hetero-Ehen sowie das Adoptionsrecht durchsetzen.

Bei den sächsischen AIDS-Hilfen darf nicht weiter gekürzt werden, im Gegenteil. Aufklärung ist wichtig. Die HIV-Infektionsraten steigen, vor allem aber auch unter Heteros.

GEGENPOL: Wie kam es dazu, daß der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit Deinen Landtagswahlkampf unterstützt?

RONALD LÄSSIG: Klaus Wowereit ist ein guter persönlicher und politischer Freund.

Wir beide laden die Community & Friends zur Diskussionsrunde am 6. September um 19 Uhr in die naTo in Leipzig ein. Dort geht es um das Thema "Perspektiven für Ostdeutschland im 21. Jahrhundert".

Danach bin ich gemeinsam mit Klaus auf Szenetour im New Orleans, der RosaLinde und der Blauen Trude anzutreffen. Mein Wahlkampf soll, so wie ich, locker und unverkrampft sein.

GEGENPOL: Du hast also wenig Freizeit. Und was sagte Dein Freund dazu?

RONALD LÄSSIG: Ich bin Single, aber nicht allein.

GEGENPOL: Wir danken Dir für das Gespräch.

Kontakt:
SPD-Wahlkampfbüro Ronald Lässig
Karl-Liebknecht-Straße 113
04275 Leipzig
externer Link www.laessig-waehlen.de
eMail-Link RonaldLaessig@gmx.de

Letzte Änderung: 31.08.2004