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Gegenpol Ausgabe Juli 2005
Moderne HIV-Therapie verbessert Lebensqualität
Mit einer modernen Kombinationstherapie kann die Vermehrung der HI-Viren meist über einen langen
Zeitraum erfolgreich in Schach gehalten werden; eine HIV-Infektion ist damit zwar nach wie vor nicht
heilbar, jedoch zu einer behandelbaren, chronischen Erkrankung geworden. Eine wesentliche
Voraussetzung für den Therapieerfolg ist dabei die möglichst konsequente Einnahme der verordneten
Arzneimittel. Häufig beeinträchtigen jedoch Nebenwirkungen und komplizierte Einnahmeschemata die
Therapietreue (Adhärenz) der Betroffenen. Deshalb sind nicht nur wirksame und gut verträgliche,
sondern auch einfach einzunehmende Behandlungskonzepte nötig, die die Lebensqualität der Patienten
möglichst wenig mindern und so die Adhärenz erleichtern.
Seit Mitte der neunziger Jahre die sogenannte hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) eingeführt
wurde, haben sich die Aussichten für HIV-Infizierte deutlich verbessert. Anhand von Studien konnte
gezeigt werden, dass sich durch eine geschickte Kombination verschiedener Arzneimittel die
Vermehrung des HI-Virus wesentlich besser in den Griff bekommen lässt als bei der Behandlung mit
jeweils nur einer Substanz.
Grundzüge der Therapiestrategie
Die zur HIV-Therapie verwendeten Arzneimittel hemmen die Vermehrung des HI-Virus und greifen dabei -
je nach Substanzklasse - an unterschiedlichen Stellen der Virusvermehrung ein. Derzeit kommen vier
unterschiedliche Substanzklassen (Nukleosidische oder nukleotidische
Reverse-Transkriptase-Inhibitoren [NRTIs], Nicht-Nukleosidische
Reverse-Transkriptase-Inhibitoren [NNRTIs], Protease-Inhibitoren [PIs] und Fusionsinhibitoren) zum
Einsatz. Bei einer HAART werden in den meisten Fällen mindestens drei Medikamente aus zwei
verschiedenen Substanzklassen kombiniert: Man kombiniert zwei NRTIs, die gewissermaßen das Rückgrat
der Behandlung bilden und in der Fachsprache als "Backbone" bezeichnet werden, mit
mindestens einem weiteren Arzneimittel aus der Substanzklasse der PIs oder NNRTIs. Dabei werden die
Protease-Inhibitoren "geboostert": Durch die Kombination mit einer niedrigen Dosis eines
zweiten PIs (in der Regel Ritonavir) wird der Abbau des ersten PIs gehemmt. Die durch diesen
Schritt ermöglichte Verwendung einer niedrigeren Dosis kann zu einer Verbesserung der Wirksamkeit
und der Verträglichkeit, einer Vereinfachung der Einnahme (z.B. einer zweimal täglichen statt einer
dreimal täglichen Einnahme) und einer Verminderung der Tablettenzahl führen.
Auch auf die Backbones kommt es an
Der Auswahl des Backbones kommt in der HIV-Therapie eine große Bedeutung zu. Zurzeit gibt es acht
verschiedene Vertreter aus der Wirkstoffklasse der NRTIs, die sich hinsichtlich Effektivität und
Nebenwirkungen mehr oder weniger deutlich unterscheiden. So zeichnen sich z.B. Tenofovir
(Viread®) und Emtricitabin (Emtriva™) durch eine hohe Wirksamkeit
und gute Verträglichkeit aus. Seit Februar 2005 stehen die beiden Substanzen nun auch als fixe
Kombination zur Verfügung (Truvada™). Der Vorteil dabei: Es muss nur eine Tablette pro Tag
eingenommen werden, was bedeutet, dass die HIV-Therapie dann im günstigsten Fall aus insgesamt nur
zwei Tabletten täglich (dem "Backbone" und einer weiteren Substanz) besteht. Dies
erleichtert es dem Patienten, die Tabletten konsequent einzunehmen, was die Therapietreue erhöhen
und wesentlich zum Behandlungserfolg beitragen kann.
Dr. Heiko Jessen
Gemeinschaftspraxis Dres. Jessen/Jessen
Motzstraße 19
10777 Berlin
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